GUNTER FALK

Franz YangMocnik

Ich kenne Franz YangMocnik, seitdem er mit seinen ersten Ölbildern 1973 in Graz auftauchte. Nach so vielen Jahren Bekanntschaft und Freundschaft weiß ich nur zu gut, wie wenig bio-grafische Striche über Persönlichkeit und Arbeitshaltungen eines Künstlers vermitteln können. Ich werde über seine Arbeit, deren taktile Eindringlichkeit von sich selbst zeugt, keine Metaphern verbreiten.

Vielleicht jedoch dieses: dass die biografischen Daten gewisse Brüche im Leben Motschnigs andeuten, ohne die künstlerische Arbeit - und nicht nur diese - nur schwer zustande kommt. Einschnitte im Leben eines Menschen bedeuten, dass derjenige, von dem jeweils die Rede ist, sich den Problemlagen und Krisen in seinem Leben stellte, dass er diese nicht opportunistisch umschiffte, sondern dass er die Gräben, die jene Brüche erzeugen, ins Auge fasste, in der Absicht, am anderen Ufer neu zu beginnen.

Solche Einschnitte oder Brüche kennzeichnen auch sein Werk und machen es für professionelle Kunsttaxonomen und -taxatoren unhandlich. Denn Motschnig bricht, wenn er eine Ausdrucksvariante zu durchschauen glaubt, mit dem für ihn Bewährten und lässt sich aufs Abenteuer des für ihn Unerforschten ein, was immer dieses Abenteuer ihm einbringen mag.

Motschnigs Arbeit kommt aus der handwerklichen Beherrschung der Materialien und Techniken, was vielleicht in seinen Holzplastiken, aber auch seinen Zeichnungen am augenfälligsten und greifbarsten ist. Er selbst bezeichnet sich jedoch - und ich pflichte ihm darin bei - als Lebenskünstler. Denn es kann wohl nichts anderes heißen, als dass er, im Unterschied zu vielen, auch intellektuelles Bewusstsein hat, welches er sich auf mühsamen eigenen Bildungswegen aneignete.

Franz YangMocnik ist intellektuell engagiert, aber nicht im Sinne der modischen Links-Schickeria, wie sie in den Künsten verbreitet ist. Sein Leben und seine Arbeit zwingen ihn, sich auseinander zu setzen.

In genau diesem Sinne ist Franz YangMocnik auch nicht irgendeiner, sondern wird sich die Welt der materiellen, gesellschaftlichen und ideellen Verwerfungen, aus denen jede Kunst besteht, aneignen, indem er sie in Frage stellt. In diesem Stoffwechsel mit Gesellschaft und Natur, wie Marx die Sache einmal nannte, in diesem Austauschprozess mit Mitmenschen und Materialien, nimmt Motschnig nicht nur, sondern gibt: seine Arbeit und deren Produkte, aber auch seine Menschlichkeit und deren Spuren in uns.

Gunter Falk, geboren 1942 in Graz, gestorben 1983 ebenda. Schriftsteller und Soziologe. Der Großteil des sprachkritischen und experimentellen Ansätzen verpflichteten literarischen Werks liegt gesammelt in den Bänden »Die Würfel in manchen Sätzen« (1977) und -Die dunkle Seite des Würfels« (1983) vor poetische und literaturtheoretische Texte Falks wurden seit 1963 in den »manuskripten« publiziert.