Wilfried Skreiner

Über die plastischen Arbeiten

Franz YangMocnik kam nach beendigung seiner tischlerlehre nach graz. der wunsch, zu gestalten, sich bildnerisch selbst zu verwirklichen, führte ihn zur malerei, die ihm den notwendigen freiraum bot. nach einem kurzen besuch der kunstgewerbeschule in graz wurde ihm klar, dass er als künstler seinen weg alleine finden musste, als maler ist er vielfach hervorgetreten, wurde in ausstellungen und durch preise gewürdigt. das streben nach Plastizität, das herausarbeiten körperhaft räumlicher formen in seiner maierei, war von den frühen anfängen an eine grundkomponente seiner malerischen arbeit. kollegen und freunde, wie gottfried fabian, machten den künstler auf die außerordentlichen qualitäten seiner malerei aufmerksam. tatsächlich erscheint das skulpturale arbeiten motschnigs, dem er sich 1976 zuwandte, als ein aus dem malerischen schaffen sich entwickelnder, eigener plastischer gestaltungsansatz, der, vielleicht durch Zuspruch erleichtert, von motschnig jedoch selbst und eigenständig erarbeitet wurde.

die zehn erstmals in der öffentlichkeit gezeigten holzskulpturen eröffnen uns einen ganz neuen Schaffensbereich motschnigs. im kontext mit graphiken, skizzen, entwürfen und Studien wird gleichzeitig der entwicklungsprozeß sichtbar gemacht. durch abstraktion entwickelte motschnig in der anfangsphase aus der menschlichen figur oder dem menschlichen kopf durchklüftete plastische grundformen, in die schlitze, durchblicke eingebracht werden. augen, nase und mund werden zu einer strengen, einfachen negativform entwickelt, die plastische grundstruktur wird durch schlitze veranschaulicht, geöffnet, durchstoßen. motschnig »baut« konisch sich nach oben zu verjüngende rundkörper aus dem ihm seit der jugend vertrauten material holz, die durchschnitte werden mit anderen hölzern «eingelegt«, mit bleieirdagen versehen. liebe und feingefühl für das material treten uns entgegen, das freie gestalten mit verschiedenen materialien führt zu einer sublimierten neuen einheit unter Überwindung alles handwerklichen. idolhaft, raumbeherrschend erfahren diese Skulpturen eine gleichsam organische verlebendigung, lassen sie uns wie mythische kultfiguren entgegentreten. eine ferne erinnerung an die mit einer ganz anderen methode gestalteten könige moswitzers, an die aus der rumänischen Volkskunst entwickelten holzskulpturen brancusis wird in uns lebendig, ebenso die helmformen eines henry moore. aber der vergleich mit diesen werken zeigt uns den eigenständigen ansatz motschnigs. als motiv haben ihn seit der frühesten kindheit burgen, Schießscharten, ritterrüstungen und helmformen beschäftigt. die abstrakte gliederung verbindet sich einer organischen auffassung des plastischen körpers, der in der schwebe zwischen dem dargestellten «gegenständ« und der rüstungsartigen form als hülle gehalten wird. deutlich werden diese verschiedenen aspekte in den skizzen, entwürfen und Studien, aus denen der weg vom abstrahierten gegenstand über die helm- und rüstungsformen zu den konstruktiven grundgerüsten und der zeichenhaften Verdichtung der die plastiken aufklüftenden negativformen deutlich ablesbar ist.

in drei Skulpturen baut motschnig aus verschiedenen hölzern räumliche strukturen, die weder von den organischen formen des menschlichen körpers oder dessen kopf ausgehen noch eine organische Wirkung anstreben: in ihnen wird raum anschaulich gemacht. holzleisten werden zu rahmenformen zusammengesetzt, die durch ihre aneinanderfügung, die klar überschaubar und in der draufsicht les- und verfolgbar ist, räumliche entwicklung, raumerfahrung im bereich des plastischen thematisieren, die starke einbeziehung des raumes durch die zentrale negativform, die seitlichen aufklüftungen, ergeben, neben dem körperhaften der plastik, eine raumhaltigkeit, lassen diese Skulpturen als überzeugende darstellung veranschaulichten raumes erscheinen. rhythmik, proportionierung und harmonie sind für motschnig grundlage seines plastischen gestaltens, und deutlich wird in allen seinen Skulpturen, daß «ihr eigener bereich mehr und mehr zum gegenstand geworden ist«.

Univ.-Prof. DDr. Wilfried Skreiner, geboren 1927 in Graz, gestorben 1994 ebenda, Jurist und Kunsthistoriker. Ab 1966 Universitätsprofessor und Leiter der Neuen Galerie am Landesmuseum Joanneum in Graz, Mitglied des Kuratoriums bzw. des Direktoriums des steirischen herbstes. Bedeutende Verdienste um die Durchsetzung der modernen Kunst (vor allem der »Neuen Wilden«) in der Steiermark und in ganz Österreich. Leitete die Biennale trigon und viele andere Ausstellungen.